Teilhabe heißt, mitzugestalten
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Teilhabe als „das Einbezogen sein in eine Lebenssituation“. Gesundheit wird im Rahmen dieses bio-psycho-sozialen Verständnisses als gesellschaftliche Aufgabe gesehen und endet nicht bei der Linderung von Symptomen oder Beschwerden. Teilhabe ist das übergeordnete Ziel und sollte für die Versorgung und Forschung ebenfalls im Mittelpunkt stehen. Sei es in der Diskussion wissenschaftlicher Neuerungen, Prävention, Schadensminimierung oder in der Planung und Umsetzung geeigneter Behandlungsstrategien: Gelingen kann das nur, wenn sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen und in den Austausch kommen. Die WHO betont, dass Menschen mit eigener Erfahrung in gesundheitlichen und psychosozialen Herausforderungen nicht nur gehört, sondern sinnvoll und aktiv in Entscheidungen, Angebote und Entwicklungsschritte einbezogen werden sollen. Teilhabe bedeutet, Erfahrung als Expertise anzuerkennen und Mitgestaltung zu ermöglichen. Nur so können für inklusive, wirksame und gerechte Unterstützungssysteme entstehen.
Daran knüpfen wir mit dem Schwerpunkt Teilhabe beim Deutschen Suchtkongress 2026 an. Für uns bedeutet Teilhabe, Menschen mit Suchterfahrung nicht nur als Adressat:innen von Versorgung, Forschung oder Politik zu sehen, sondern ihre Perspektiven sichtbar zu machen und als wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Feldes zu verstehen. Denn tragfähige Antworten auf Fragen rund um (Substanz-)Konsumstörungen entstehen besonders dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse, fachliche Expertise und gelebte Erfahrung zusammenkommen. Mit unserer Testimonial-Kampagne machen wir diese Perspektiven sichtbar. Die Stimmen der Beteiligten zeigen, was Teilhabe im Kontext von (Substanz-)Konsumstörungen konkret bedeuten kann: gehört werden, mitgestalten, Barrieren abbauen, Zugänge schaffen und Gesellschaft auf Augenhöhe mitprägen.
Im Rahmen des Deutschen Suchtkongress 2026 laden wir Sie dazu ein, Teilhabe nicht nur zu diskutieren, sondern praktisch zu denken - als Voraussetzung für gute Versorgung, relevante Forschung und einen respektvollen, inklusiven Dialog.
PD Dr. Angela Buchholz, Kongresspräsidentin und Vizepräsidentin der dg sps
Dr. Gallus Bischof, Präsident der dg sps