Symposium S07

Harm-Reduction in der Behandlung der Opioidabhängigkeit

Vorsitz: Pogarell O, Wodarz N


Die Abhängigkeit von Opioiden stellt aufgrund der medizinischen, psychosozialen und gesellschaftlichen Folgen eine Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialsysteme dar. In Deutschland wird die Anzahl der Hochrisikokonsumenten auf ca. 160.000 Personen geschätzt; trotz eines vergleichsweise gut ausgebauten Versorgungsnetzes befindet sich nur etwa die Hälfte der Betroffenen in Substitution, der weltweit anerkannten first-line Therapie. Aufgrund krankheitsimmanenter Risiken und Folgen für die Betroffenen (Infektionskrankheiten, Komorbidität, Mortalität) wie für die Solidargemeinschaft (Belastung der Sozialsysteme, Kriminalität) sind neben differenzierten langfristigen therapeutischen Angeboten auch niedrigschwellige Harm-Reduction-Ansätze erforderlich. Diese beinhalten zunächst die Vermeidung akuter gesundheitlicher oder lebensbedrohlicher Risiken, erleichtern aber auch den Zugang zu weiterführenden Therapien. Im vorgeschlagenen Symposium sollen verschiedene Projekte und Strategien dargestellt und erörtert werden. - Das Angebot der Naloxon-Vergabe an Laien hat zum Ziel, das Risiko tödlicher Opioid Überdosierungen zu minimieren. Die Implementierung eines Naloxon-Take-home-Programms und die dazu erforderlichen Schulungsmaßnahmen werden derzeit im Rahmen eines Modellprojekts in Bayern evaluiert. -Drug-Checking stellt einen Ansatz dar, vor gefährdenden Substanzen und Hochrisiko-Konsum zu warnen; entsprechende Programme werden -nicht zuletzt aufgrund rechtlicher Hürden- kontrovers diskutiert. -Drogenkonsumräume können der Gruppe der nicht-erreichten Drogenkonsumenten die Möglichkeit eines Einstiegs in das Suchthilfesystem bieten; in einigen Metropolen liegen bereits positive Erfahrungen vor. -Im Rahmen der etablierten Substitutionstherapie kann durch das Angebot einer Diamorphinsubstitution sowie einer begleitenden internistischen Mitbetreuung der Betroffenen ebenfalls zu einer sowohl sucht- wie auch allgemeinmedizinischen Stabilisierung beigetragen werden.


S07_01
Naloxon-Take-Home: Schulung Betroffener und Peers  - ein Modellprojekt in Bayern
Wodarz N, Regensburg
Pogarell O, Wolstein J, Wodarz von Essen H

S07_02
Drogenkonsumräume: Bedarf und Nutzen auch in Bayern?
Wehner B, Nürnberg
Hofmann M

S07_03
Drug Checking: das Modellprojekt in Berlin
Harrach T, Berlin

S07_04
Diamorphin-Substitution: ein Beitrag zur Stabilisierung Schwerstkranker
Pogarell O, München
Bogner J